Auf einen Blick

  • Eine Mietminderung bei längerem Stromausfall ist erlaubt, wenn der Vermieter dafür verantwortlich ist
  • Die Mietminderung ist unzulässig bei kurzzeitigem Stromausfall, Unwetterfolgen oder durch den Mieter verursachten Ausfällen
  • Recht auf Mietminderung besteht bei mangelnder Stromversorgung in der Wohnung, die moderne Standards nicht erfüllt
  • Anzeige des Mangels beim Vermieter und Setzen einer Frist sind notwendig, bevor eine Mietminderung vorgenommen wird

Die Stromversorgung ist in Deutschland glücklicherweise so stabil, dass Stromausfälle nur noch selten und meist kurzzeitig auftreten. Nach wenigen Minuten ist das Problem behoben, sodass die Beeinträchtigung nur geringfügig war.

Urteile aus der Praxis
MangelMinderungAktenzeichen
Keine modernen StandardsVariabelAz. VIII ZR 192/03
Abschalten der Stromversorgung100%Az. 14 C 271/87
Steckdosen defekt50%Az. 40 C 305/73

Ein längerer Stromausfall hingegen ist deutlich problematischer. Elektrogeräte sind nicht mehr nutzbar und eine Mietminderung könnte angebracht sein.

Ist eine Mietminderung bei einem Stromausfall zulässig und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Nachfolgend erfährst Du, wie Du rechtssicher die Mietminderung umsetzt und den Vermieter zum Handeln bewegst.

Wann ist eine Mietminderung wegen des Stromausfalls möglich?

Eine Mietminderung ist von der Rechtslage immer dann zulässig, wenn eine Abweichung des Zustandes der Wohnung vorliegt. Hat sich die Wohnqualität aufgrund eines Mangels verschlechtert, darf der Mieter die Miete kürzen, um den Vermieter zum Handeln zu bewegen.

Bei einem Stromausfall ist eine Mietminderung nur in bestimmten Fällen erlaubt. Die Stromversorgung muss über einen längeren Zeitraum ausfallen und der Vermieter dafür verantwortlich sein.

Verantwortungsbereich des Vermieters
Berechtigung zur Mietminderung

Die Mietminderung ist immer dann erlaubt, wenn ein Mangel vorliegt, der im Verantwortungsbereich des Vermieters liegt. Ist der Stromausfall nicht auf eine Pflichtverletzung des Vermieters zurückzuführen, darfst Du keine Mietminderung durchführen.

Nachstehend erhältst Du einen Überblick über Fälle, in denen eine Mietminderung bei einem Stromausfall nicht gerechtfertigt war. Dann ist der Mieter nicht zur Kürzung berechtigt, sondern muss womöglich selbst für den Schaden aufkommen.

Keine Minderung bei kurzzeitigen Stromausfällen

Ein Stromausfall mag ärgerlich sein, doch ist die Versorgung heutzutage so stabil, dass dies eine Seltenheit darstellt. Probleme mit dem Stromnetz[1]https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Kritische-Infrastrukturen/KRITIS-Gefahrenlagen/Stromausfall/stromausfall_node.html sind meist innerhalb weniger Minuten behoben.

Sollte für wenige Minuten der Strom ausfallen, ist eine anteilige Mietminderung dafür nicht erlaubt. Handelt es sich um einen einmaligen Vorfall, liegt keine nennenswerte Beeinträchtigung vor. Die Miete ist weiterhin vollständig zu zahlen.

Schäden durch Unwetter

Etwas häufiger treten Schäden in der Folge eines Unwetters auf. Strommasten oder Leitungen könnten beschädigt werden, sodass die Versorgung unterbrochen ist.

Der Vermieter kann für solch höhere Gewalt nicht verantwortlich gemacht werden. Dementsprechend ist eine Mietkürzung nicht erlaubt, auch wenn die Stromversorgung für mehrere Tage ausfällt. Der Netzbetreiber muss die Reparaturen durchführen, sodass sämtliche Sturmschäden behoben sind.

Vermieter für Stromausfall nicht verantwortlich

Gleichermaßen ist eine Mietminderung nicht gerechtfertigt, wenn der Mangel durch den Mieter verursacht wurde. Hat sich dieser in der Wohnung handwerklich ausprobiert und tritt in der Folge der Stromausfall auf, ist der Vermieter dafür nicht verantwortlich.

Handwerker arbeitet an Stromleitungen
Anspruch auf Schadenersatz

Hat der Mieter den Stromausfall zu verantworten und womöglich die Stromleitungen beschädigt, muss Er für den entstandenen Schaden aufkommen. Dies beinhaltet die Reparatur durch eine Fachfirma und die entsprechenden Handwerkerkosten.

Der Mieter ist nicht zur Mietminderung berechtigt. Vielmehr noch muss Er selbst die Kosten für mögliche Schäden übernehmen. Somit ist eine besondere Vorsicht bei jeglichen handwerklichen Tätigkeiten in der Wohnung gefragt.

Unbezahlte Rechnung des Mieters

Zu unterscheiden ist zudem, wer Vertragspartner des Stromversorgers ist. Besitzt der Mieter einen eigenen Vertrag mit dem Versorger, muss Er selbst sicherstellen, dass die Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Verpasst Er mehrere Zahlungen und wird der Strom abgestellt[2]https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/kredit-schulden-insolvenz/stromsperre-was-sie-dagegen-tun-koennen-11674, liegt dies in Seiner eigenen Verantwortung. Eine Mietminderung gegenüber dem Vermieter ist dann nicht erlaubt.

Gerechtfertigte Ansprüche bei mangelhafter Stromversorgung

Welche Mängel berechtigen dazu, die Mietminderung durchzuführen und wie berechnet sich die Höhe dafür? Nachstehend erhältst Du einen Überblick über Fälle aus der Praxis, in denen Gerichte bereits über die Mietminderung entschieden haben. Dadurch erhältst Du eine bessere Orientierung dafür, was bei Dir im Rahmen des Möglichen liegt.

Moderne Standards in der Wohnung

Die Stromversorgung gehört zur Grundausstattung jeder Wohnung in Deutschland. Sollte es hierbei Probleme geben und der Strom nicht in allen Räumen zur Verfügung stehen, ist dies inakzeptabel.

Ebenso muss es möglich sein, mindestens ein größeres Haushaltsgerät zu betreiben. Dazu zählen die Waschmaschine, ein Staubsauger oder die Geschirrspülmaschine.

Ist der Stromkreis überlastet und springt die Sicherung raus, wenn Du solch ein einzelnes Gerät betreibst, entspricht dies nicht den modernen Standards. Dann darfst Du eine Mietminderung durchsetzen (Az. VIII ZR 192/03[3]https://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=29862&pos=0&anz=1).

Unerheblich ist hierfür, wie alt das Gebäude ist. Selbst bei einem Altbau muss die Stromversorgung modernen Ansprüchen genügen, sodass Du dort keine Beeinträchtigungen hinnehmen musst.

Vorsätzliches Abschalten der Stromversorgung

Aus den verschiedensten Gründen könnten Vermieter auf die Idee kommen, Dir den Strom abzuschalten. Dies könnte eine Reaktion auf die verspätete Mietzahlung sein oder weil andere Probleme anscheinend vorherrschen.

Doch das Abschalten der Stromversorgung für die Wohnung ist in keinem Fall gerechtfertigt. Es stellt einen schweren Mangel dar, der zu einer Mietminderung von 100 Prozent berechtigt (MM 1988, 151[4]https://www.kostenlose-urteile.de/MM_1988.151-AG_Neukoelln.fp991.htm).

Sollte also der Vermieter Dir den Strom abstellen, darfst Du die Miete mindern. Gehe dabei ordnungsgemäß vor, damit der Vermieter keine Handhabe gegen Dich hat, wegen möglicher fehlender Zahlungen.

Steckdosen defekt

Problematisch ist es auch, wenn die Steckdosen defekt sind. Du kannst die Elektrogeräte nicht wie geplant aufstellen, sondern musst die Einrichtung der Wohnung verändern.

Je nach Anzahl der defekten Steckdosen variiert die Höhe der Mietminderung. Im vorliegenden Fall hat das Amtsgericht Hamburg entschieden, dass bei einem Ausfall von 12 der 15 vorhandenen Steckdosen eine Mietminderung in Höhe von 50 Prozent zulässig sei (WuM 1975, 53[5] … Continue reading).

Anleitung für die sichere Mietminderung

Die Rechte der Mieter sind in Deutschland umfänglich und wohlwollend. Dennoch musst Du bei der Mietminderung vorsichtig sein und darfst nicht einfach bei jeder Stromunterbrechung die Miete eigenmächtig kürzen.

Befolgst Du nicht die gesetzlichen Regelungen, könnte der Vermieter vermuten, dass Du mit der Miete im Rückstand bist und den Mietvertrag kündigen. Damit das Mietverhältnis nicht gefährdet ist, musst Du folgenden Ablauf beachten.

  • Mietmangel anzeigen

Damit der Vermieter die Möglichkeit erhält, den Mangel zu beseitigen, musst Du diesen zunächst anzeigen. Andernfalls erfährt der Vermieter womöglich nichts von den Problemen, sodass die Mietminderung überraschend käme.

Verwende die Vorlage für die Mietminderung, in welcher Du die Mängel anzeigst. Erst danach bist Du zur Minderung der Miete berechtigt.

  • Frist setzen

Im Rahmen der Mangelanzeige solltest Du auch eine Frist setzen, bis zu welcher die Beseitigung zu erfolgen hat. Dadurch ist dem Vermieter bewusst, wie viel Zeit Ihm verbleibt, bevor die Konsequenzen einsetzen. Eine Frist von wenigen Tagen ist angemessen, in welcher der Vermieter sich zumindest bemühen sollte, die Probleme mit der Stromversorgung zu beheben.

  • Mietminderung ankündigen

In der Mängelanzeige ist direkt zu erwähnen, dass Du eine Mietminderung vornimmst, sollte der Vermieter untätig bleiben. Beschreibe dort die Höhe der Minderung, welche von der Warmmiete abgezogen wird. Dadurch ist sich der Vermieter im Klaren darüber, was droht, wenn Er sich nicht um die mangelhafte Stromversorgung kümmert.

Stromversorgung als Grundbestandteil der Wohnung

Die Stromversorgung gehört in Deutschland zur Grundausstattung jeder Mietwohnung. Liegen hierbei Probleme vor, sodass es häufiger zu Unterbrechungen kommt, liegt ein erheblicher Mangel vor. Als Mieter darfst Du erwarten, dass die Stromversorgung stabil ist und der Stromkreis leistungsfähig genug ist, um mindestens ein großes Haushaltsgerät zu betreiben.

Ist der Vermieter für den Stromausfall verantwortlich und hält dieser für längere Zeit an, darfst Du die Miete mindern. Dies ist ein wichtiges Instrument im Mietrecht, um die Schwere des Mangels zu verdeutlichen und den Vermieter zum Handeln zu bewegen.

Befolge die hier beschriebene Vorgehensweise, um bei einem häufigeren Stromausfall die Miete zu kürzen. Es ist für Dich als Mieter nicht hinnehmbar, sollte es bei der Stromversorgung dauerhaft Probleme geben.

Häufige Fragen

Du darfst ohne Strom sein, solange Du willst, wenn dies aus freien Stücken geschieht. Allerdings hat man als Mieter das Recht auf eine dauerhafte Stromversorgung. Im Falle einer Stromunterbrechung durch den Vermieter kann diese laut Gerichtsurteil bis zu drei Tage andauern, ehe sie als erheblicher Mangel angesehen wird.

Es gibt keine allgemeingültige Tabelle für die Mietminderung, da diese immer von der individuellen Situation und dem jeweiligen Mangel abhängt. Die Höhe der Mietminderung berechnet sich anhand des Mangels und dessen Auswirkungen auf die Wohnqualität.

Die Elektrik in einem Gebäude gilt dann als mangelhaft, wenn sie nicht den aktuellen Sicherheitsvorschriften entspricht oder wiederholt zu Ausfällen führt. Das kann z.B. der Fall sein bei veralteter Technik, mangelnder Wartung oder unsachgemäßer Installation.

Eine Wohnung ohne Strom kann grundsätzlich als unbewohnbar eingestuft werden, vor allem in unserer modernen Gesellschaft, in der viele lebensnotwendige Geräte auf Strom angewiesen sind. Ohne Stromversorgung sind beispielsweise Heizung, Kühlschrank oder Licht nicht nutzbar, was zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führt.